Flügelschläge, so leise, dass sie schon fast lautlos waren. Ab und zu konnte man nur den leisen Wind hören der sich an den pechschwarzen Schwingen brach.

Eine sternenklare  Nacht die nur für Wesen wie sie geschaffen waren. Ihre Zeit. Die Zeit in der sie auf Jagd gehen konnten. Wo Menschen in ihren Häusern, in eine Decke gekuschelt, schliefen und träumten. Träume die Ihnen verwehrt blieben. Sie waren keine Menschen, waren nie als solche geboren.

Keine warmen Sonnenstrahlen die sie wärmten. Kein fröhliches gleißendes Licht, welches sie sehen durften. Ihre Sonne war der strahlende Vollmond in der Nacht. Und abertausende von Sternen die ihre Körper in silbernen Licht strahlen ließen.

Sie waren für weit aus mehr bestimmt, als die Menschen die sie so oft beneideten. Ihnen war Macht verliehen worden, solche Macht wie die Menschen es sich nur zu erträumen wagten. Für die Menschen waren sie nur Sagengestalten. Kinder der längst vergessenen Gottheiten des alten Volkes.

Was die Menschen jedoch nicht ahnten...

Das Reich des alten Volkes blühte immer noch auf diesem Planeten, so wie es auch vor mehreren Tausenden Jahren tat. Und sie waren ihre Wächter, ausgesandt um das Volk vor dem Untergang zu retten. Egal wie paradiesisch es von außen wirkte, egal was die Menschen über Eden sagten...das Volk Jahwes starb und nun war es an ihnen  Mephistos Reich über Jahwes zu stellen.

Ausgesandt um den Einen zu finden, der dies prophezeite und hervorrufen würde, nichts weiter, als ein angeblich normaler Mensch...

~ ... somit waren die Geflügelten ausgesandt, auf der Suche nach dem Wesen des neuen Anfangs, sterblich, schlafend unter den Sündern...~

Smaragdgrüne Augen erwachten zum Leben. Aus einem traumlosen Schlaf erwacht und doch nicht das wahre Ich dessen Besitzers. Wortloses Geflüster, das ihn begeisterte aus seiner Traumlosigkeit zu erwachen. Dunkel war’s, als es ihn lockte dem Ruf zu folgen. Zu anziehend um nicht befolgt zu werden.

Düster war’s, als sich der junge Körper vom Bett erhob, beängstigend anmutig mit vollkommener Lautlosigkeit die alten morschen Treppen hinabstieg  um das sichere Elternhaus mitten in der hellerleuchteten Vollmondnacht zu verlassen und sich auf Ewig zu entsagen. Nackte Füße die in dieser Sommernacht über gefrorenen Boden wandelten.

Schwarze Flocken wegweisend für den Gerufenen, auf zu stummen Zeugen einer grotesken Offenbarung dieser Nacht, gefolgt von Ausgesandten Mephistos wartend auf deren unkundigen Herrn.

Die Nacht verrann, das Wispern nicht aufgeben wollend, vernarrt das sündlose Wesen in die boshaften Pranken zu bekommen. Zielstrebig, unaufhaltsam auf des Knaben Weges, sich unbewusst dem bestialischen Willen beugend, dem schriller werdenden Gemurmel folgend die für ihn Erlösung verhießen. Der vereiste Weg ihm ergeben, der grell leuchtende Mond sein, demütig sich die leblos wirkenden Bäume vor ihm wandten, ihm die Sackgasse ins finstere Innere des Dunkelwaldes öffnend.

Sich immer mehr der Sammelstelle nähernd, erwachte das zarte Feuer in dem noch Sündlosen.

Schriller die bis dahin sanften Klänge erschallten, den dunklen Keim noch nicht gänzlich durchdrungen. Zur Festnacht betört, nicht bereit sich ohne ihr Mahl zur Ruhe zu legen, die Einbuße zur Verkündung schon getan war.

Schmerz klagende Füße immer weiter tragend, von Schnee und Wind geführt. Eine stille Einigung, gefolgt von Frohlockung deren der Ihrem Ruf gefolgt war, ein Fest zur Auferstehung des Erfolg erntenden Volkes. Ihr Tag war gekommen, die Blutweihe begann...

~...dem Rufe folgend, von der Kälte behütet, in den dunklen Kreis eintretend, der für ihn das Ende seines sündlosen sterblichen Lebens bringen möge, erwachet sein wird ein Todesengel...~

Körperlos der Eine wartete auf seinen Vergleichbaren, bereit ihm die Sterblichkeit zu nehmen, sein Diener für ihn sprechend in seinem Namen.

Im Stillen die Mitte betretend, erstarben die schrillen Geflüster um markerschütternd über den sterblichen Knaben einzubrechen, um in dessen Innerstes zu gelangen.

Kreischend, Geflügelte sich um die Mitte versammelnd, ihn nicht entfliehen lassend, sich gierig nach der sterblichen Seele verzehren, die befreit werden sollte.

Das qualvolle Getöse weckte den Jüngling aus seiner Trance um ihn schmerzvoll aufschreien zu lassen. Unbeachtet  der Unsterblichen um ihn, krümmte sich der junge Leib unter der ohrenbetäubenden Laute, die für ihn keinen Sinn zu ergeben schienen und doch einem abnorm fremden Gesang ähnelten. Taktfestes Schlagen, das eines kuriosen Herzens in seinem Kopf, sorgte dafür, dass er das große gesichtslose Wesen nicht bemerkte, welches zu ihm gestoßen ward. Eine kurze beiläufige Handgeste die den Waldboden mit abstraktem Leben erfüllte, den Ranken befahl den Knaben zu knechten. Betäubend wirkten die spitzen Dornen, welche den Leib durchbohren, Angesicht zu Angesicht gegenüber dem Gesichtslosen bringend, ihn bewegungslos in ihren Fängen bergend.

Weit aufgerissen sind die Augen des Verängstigten, ihm schien es ein Albtraum zu sein, zu viel war es für den Sündlosen, nicht fähig einen Laut von sich zu geben, als er ins Nichts seines Gegenübers blickte. Mäßig veränderten sich die Züge des Ausdruckslosen. Langsam nahm es leicht menschliche Züge an. Den Rachen weit aufgerissen, reiften lange spitze Fänge, ungeduldig seiner baldigen Beute erhoffend.

Die Geflügelten um sie herum verstummten, jedoch nahmen die schrillen Laute kein Ende, erklangen noch eindringlicher und veranlassend den Sterblichen aus Qual zu schreien. Der Griff der Ranken zog ihn erbarmungslos in eine Körperhaltung, die es für den nun Schwarzhaarigen einfach machte sein Vorhaben zu ende zu führen und Ihresgleichen zu erwecken.

„Währe dich nicht dagegen. Wir erlösen dich von deiner Qual als Sterblicher.“, flüsterte eine atemberaubend sanfte Stimme dicht bei ihm. Das vorher grausam verzerrte Gesicht hatte edle Züge angenommen, wirkte Vertrauenserweckend und zog ihn magisch an. Verloren in den rot glimmenden Augen, spürte er nur noch das Pochen in seinem Inneren, es sich triumphierend als Sieger schätzte, danach verzehrte endlich befreit zu werden. Immer lauter ward das Drängen, bis der Körper sich beugte und dem Trieb in sich folgte. Die Augen schließend und den Hals darbietend, soweit die Ranken ihn ließen, erregt und ungeduldig wartend.

Lautes Gejauchze, das sich schon mit dem Sieg rühmte, erschallte von den Geflügelten, ebenfalls auf die endgültige Blutweihe wartend. Trunken von der Hingabe des Sündlosen, riss der Rotäugige das dünne Hemd mit seinen Klauen Inzwei um genießerisch den langen Hals mit der Zunge langzufahren und dem Knaben ein verzücktes Japsen zu entlocken. Berauscht vom laut schlagenden Herzen des Irdischen, biss er im Rausch, in den vollkommenen Hals.

Mit einem Aufschrei, des atemlosen Knaben, kommentiert, erstarb das helle Leuchten des jungfräulichen Mondes, verkündend den Verlust eines Sündenlosen. Ganz anders erklang das erfreute Keuchen des noch Sterblichen, das nach dem Schrei sofort folgte und das ebenfalls von der Beglückung des Rotäugigen kündete. Welch herrliches Mahl ihm geboten heute Nacht. Was für ein Geschrei das immer noch von den Geflügelten kam, diesmal jedoch von Eifersucht geprägt solch erregendes Festessen nicht kosten zu dürfen.

Langsam gelöster, hält ihn jetzt der Rotäugige, die Ranken auf eine Geste hin zum Nachgeben zwingend. Nur noch kraftlos hing der Knabe in den Armen des Großen, ein seliges Lächeln auf den Lippen, die Macht genießend die sich langsam wieder in ihm verbreitete. In ihm zwei Geister die um die Herrschaft kämpften, versuchten das absolute Grauen in ihm zu bannen, immer noch an die schweren Ketten zu binden.

Mit größter Vorsicht wurde der Biss gelöst, trotzdem floss warmes Blut seine Kehle herab. Schwerfällig öffnete er seine Augen einen Spalt, sah nur den Schatten des Rotäugigen über sich, spürte eine ihm ebenfalls entblößte Haut dargeboten. Unwiderstehlich für ihn biss er, wie der Rotäugige vorher, in dessen Schulter und fühlte, wie sich scharfe Zähne ebenfalls in seine Schulter bohrten.

Die Gesänge verstummten, die Geflügelten jubelten, der weiße Vollmond gesellte sich zu dem Jüngling und färbte sich rot.

In dieser Nacht starb das unschuldige Kind, erwachen sollte der Todesengel, einst prophezeit und wahrlich eingetroffen in der schicksalhaftesten Nacht, dem Ende des Volkes Jahwes...

~...erwachet war der Gezeichnete, frohlocket von den Verbündeten Mephistos, nichts wissend von des Wesen - des Todescherubs. So ward doch die Bestimmung des Einen eine ihnen völlig unermessliche...~