Kapitel 4

"Ice Roses"

Endlich Semesterferien! Wer freute sich nicht endlich mal wieder entspannen zu können. Alle lieben Ferien- nur einer nicht.
Wenn die Ferien begannen, hieß es für Jeremy Langeweile pur. Seine ‚Freunde’ hatten schon groß geplant: Urlaub in Spanien, komischerweise war kein Platz mehr frei. Hätten sie doch früher bescheid gekriegt, wäre er noch zu einem Platz gekommen, aber leider war es nicht so und deshalb redete sich Jeremy ein, dass eh nur wieder in der Ecke gesessen hätte und in einem Buch las.
Das würde die restlichen Ferien auch wieder tun.
‚Besser als überhaupt nichts tun.’, dachte er sich.
Jeremy hatte vor die ganzen Semesterferien im Studentenwohnheim zu bleiben. Letztes Jahr war er kurz zuhause gewesen und davor war er bei seinem Großvater, also warum sollte er wieder dahin, er würde sie nach seinem Studium eh wieder oft genug zu Gesicht bekommen.
Jedoch wusste er nicht, dass ihm dieses Jahr jemand einen Strich durch die Rechnung machen würde und ihn zu einer wohlverdienten Reise in das schöne Sibirien mitnehmen würde.
Und dieser Jemand hatte vor kurzem die Universität erreicht zu der ihn Darson geschickte hatte. Der Schmied hatte ihn noch nachträglich ein Bild und die Zimmernummer des Jungen gegeben.
Außerdem hatte er Vârcolac die Adresse seines Vaters gegeben, damit sie so schnell wie möglich aufbrechen konnten und Jeremy seinem Großvater nicht persönlich verfluchen konnte.
Das Schloss, auf das sie wollten, lag hinter einem Dörfchen, unbekannt und einwantfreies Versteck für Vampire. Er las sich den darunter stehenden Namen immer und immer wieder durch: Legres. Dalina & Dragos  Legres.
Vârcolac Legres, wie das schon klang. Falls es wirklich seine Eltern waren, dann kannte er endlich seinen vollen Namen, ob er den Namen als sein Eigen nehmen wollte wusste er selbst nicht so recht. Er wusste überhaupt nichts mehr. Weswegen er eigentlich sich auf die Suche der beiden Vampire machte, war ihm ebenfalls vollkommen unverständlich wie alles andere.
Nun war er also an der Universität von Darsons Enkel angekommen und musste Jeremy suchen, dass hatte ihm eindeutig noch gefehlt.
Er musterte das Bild, welches ihm Darson gab. Der Junge sah gar nicht mal so schlecht für einen Menschen aus. Das Jeremy schon die Universität besuchen sollte, war für ihn mehr als überraschend. Er sah nämlich kein Jahr älter aus, als Vârcolac selbst. Von dem Schmied wusste er, dass Jeremy gerade mal 17 war – der Junge musste mehr als nur intelligent sein.
Hübsch sah der Kleine auch aus, wäre nur nicht die Brille im Weg. Vârcolac hatte sich angewöhnt jeden Menschen, der ungefähr in seinem Alter war, als Kleiner zu bezeichnen, was eigentlich der Wahrheit entsprach. Vârcolac wahr älter als sie, er sah nur so jung aus, in Wirklichkeit war er doppelt so alt wie die menschlichen Jugendlichen. In Vampirjahren gezählt, wurde Vârcolac als Jugendlicher gesehen, also gab es nicht wirklich einen Unterschied.
Nach längerer Zeit, in der er einfach nur auf das Foto starrte, machte er sich auf den Weg in Jeremys Wohnheim.
Dieser ahnte momentan von nichts und war ebenfalls auf den Weg nachhause. Zuvor musste er jedoch noch kurz in die Bibliothek um Material zu besorgen. Momentan beschäftigte er sich mit der ägyptischen Gesichte und würde, nachdem er das Studium beendet hatte, zu archäologischen Ausgrabungen nach Ägypten reisen.
Nachdem er sich mindestens ein Dutzend Bücher ausgeliehen hatte, marschierte er vollbepackt Richtung des Wohnblocks.
Während Jeremy sich Bücher auslieh, brachten diese andere Studenten zurück und schauten ihn nur merkwürdig an. War ja auch klar: Während die sich auf den Weg nach hause oder in den Urlaub machte, würde er die ganzen Ferien hier bleiben und sich sonst zu Tode langweilen.
Schwerfällig ging er die Treppen zu seinem Zimmer hoch. Als er die Tür öffnen wollte, musste ja ein Unglück geschehen – er konnte die Bücher nicht mehr halten und flog samt Bücher auf den Boden seines Zimmers, als er endlich die Tür auf hatte.
Na ja, zum Glück war es nicht vorher geschehen und hatte die Bücher in seinem Zimmer.
Bevor er jetzt wieder aufstand suchte er wie ein Maulwurf nach seiner Brille, die er beim Sturz verloren hatte. Er zuckte zusammen, als ihm jemand die Brille vor die Nase hielt.
Vârcolac hatte nämlich schnell das Zimmer des Jungens gefunden und da dieser anscheinend noch nicht da war, hatte er sich ohne zu Fragen Zutritt verschafft, warum mussten die Menschen auch immer ihre Fenster offen lassen...
Er hatte nicht länger als eine Viertel Stunde gewartet, als Jeremy mit einem Stapel Bücher ihm vor die Füße viel.
Vârcolac hob die Brille auf, nachdem der Blonde gesucht hatte. Wie immer hatte er Recht gehabt und der Junge sah wirklich ohne die Brille schöner aus, als er eh schon war.
Während Jeremy dankend die Brille entgegen nahm und dann begann, mit Vârcolac Hilfe, die Bücher wieder vom Boden aufzulesen, blieb Vârcolac still ließ sich nicht anmerken, dass er mit seiner Begleitung nach Sibirien gar nicht einverstanden war. Im Gegensatz zu Darson, war dieser junge Mann tollpatschig er würde ihm garantiert Ärger machen.
Ordentlich legte Jeremy die Bücher beiseite, bedankte sich noch mal und erst jetzt fiel ihm auf, dass der Typ schon vorher in seinem Zimmer war, dass er ALLEIN bewohnte!
Ihm kam sofort der Gedanke, dass es sich hier um einen Einbrecher handeln musste. Panisch wich er vor dem Schwarzhaarigen zurück und fiel auch sogleich in einen Sessel.
Vârcolac lächelte nur. Jeremy hatte Angst vor ihm, wie viele andere auch, aber am lustigsten waren seine Gedanken. Er hielt ihn wirklich für einen Einbrecher.
Langsam kam er zu ihm rüber, beugte sich über Jeremy und sah wie dieser nur noch mehr verängstigt tiefer in den Sessel rutschte, bloß weit weg von dem Fremden.
„Keine Panik. Ich bin weder ein Einbrecher, noch will ich dich umbringen oder sonst was mit dir anstellen.“
Kurz tat er so, als würde er noch überlegen müssen.
„Eigentlich hab ich doch was vor. Du bist der glückliche Gewinner und hast eine Reise nach Sibirien gewonnen. Zusätzlich bekommst du noch dazu einen Vampir als Bodyguard. Also pack deine Sachen, es geht auch schon gleich los. Wo ist dein Koffer?...Ach, bleib ruhig sitzen ich mach das schon.“
Sofort suchte Vârcolac einen Koffer, fand dieses auch gleich unter dem Bett und begann Jeremys Sachen zügig in den Koffer zu packen.
Jeremy unterdessen, hatte sich keinen Zentimeter bewegt und saß immer noch im Sessel. Völlig perplex versuchte er sich wieder zu fassen.
‚Eine Reise nach Sibirien? Wird das jetzt eine Entführung? Ich sollte sofort hier weg.’ Seine Gedanken fasste er als erstes Zusammen und er verarbeitete das gerade Gesagte des Fremden, ließ jedoch das kleine Detail „Vampir“ aus.
Noch einmal blickte er in die Richtung des Fremden, wie dieser seine Sachen in den Koffer packte, dann kam ihm die Idee so schnell wie möglich aus dem Zimmer raus zu rennen und die Polizei verständigen.
Er fasste all seinen Mut zusammen und rannte los. Die Tür stand noch immer offen, er hatte die Tür noch nicht geschlossen. Vielleicht hatte er auch Glück und jemand stand auf dem Flur oder vor dem Wohnheim, er musste es nur schaffen aus dem Zimmer zu kommen.
Soweit kam er jedoch nicht. Kurz bevor er die Tür erreichte flog sie wie durch Geisterhand zu. Er rüttelte vergeblich an dem Türknopf, sie blieb geschlossen und auch verschlossen. Egal wie lange er es versuchte.
„Hör mit dem Blödsinn auf und hilf mir lieber zu packen, woher soll ich wissen was du mitnehmen willst.“
Als Jeremy jedoch noch panischer reagierte und verzweifelt weiter an der Tür hantierte, blieb Vârcolac nichts anderes übrig.
Mit einem Ruck sahs Jeremy wieder im Sessel und starrte nur noch ungläubig auf den Fremden vor ihm.
‚Das war’s. Der bringt mich um.’ Er schloss die Augen und wartete darauf, dass Vârcolac ihn die Kehle durchschnitt, als dieser in der Manteltasche wühlte.
Er wusste doch, dass ihm Jeremy ärger machen würde, aber dass es so schnell sein würde hatte er nicht geahnt.
„Sag mal konntest oder wolltest du mich nicht verstehen? DU kommst jetzt mit MIR nach Sibirien. Ich habe nicht vor dich umzubringen, obwohl ich auf deine Gesellschaft gerne verzichte und dich töten könnte, aber leider brauch ich dich. Anscheinend hast du von deinem Großvater absolut gar nichts geerbt. Das einzig gute daran ist, dass du sein Aussehen nicht geerbt hast.“
Immer noch gereizt, hielt er Jeremy einen Zettel hin, welchen Darson geschrieben hatte. Er hatte vermutlich gewusst wie Jeremy reagieren würde.
Immer noch verängstigt starrte er der braunhaarige abwechselnd zu Vârcolac und den Zettel.
Nachdem er den Fremden als merkwürdig abgestempelt hatte, nahm er zitternd den Zettel entgegen bevor sein gegenüber die Kontrolle verlor.
Jeremy konnte sich nicht wirklich auf den Zettel in seiner Hand konzentrieren, dazu machte ihn der Fremde zu sehr Angst.
Behutsam faltete er den kleinen Zettel auseinander und erkannte gleich die Handschrift seines Großvaters. Mit kurzen Zeilen forderte er ihn dazu auf mit dem Fremden Mann namens Vârcolac nach Sibirien zu reisen und ein Schwert mitzubringen, das in einem Schloß irgendwo in der Pampa lag.
Ungläubig laß Jeremy den Brief immer und immer wieder durch. Eine Fälschung wäre dazu viel zu gut gewesen, er kannte sich damit aus und konnte es unterscheiden.
Der Blonde wusste wie sein Großvater war. Jedes Mal, wenn er bei ihm war versuchte er Jeremy zu überzeugen mit ihm zu verreisen und jedes Mal verneinte der er.
Anscheinend ließ er nichts aus um ihn aus seinen 4 Wänden zu reißen. Jetzt musste er schon einen Fremden Kerl zu ihm schicken, damit er auch wirklich in den Ferien rauskam.
Obwohl sein Großvater schon ziemlich alt war, machte er immer Späße und einige gingen schon mal zu weit- genau wie dieser. Er würde ganz sicher nicht mit dem Kerl irgendwo hin verreisen.
Die Angst verschwand und machte Wut platz. Mit wütendem Blick wandte er sich an den Schwarzhaarigen, stand abrupt auf und ging in sein Zimmer wo die gepackte Tasche stand.
Verblüfft schaute Vârcolac zu wie der Jüngere begann wutentbrannt die Sachen aus der Tasche zu werfen.
‚Na schön, wenn sich der dumme Junge sich mit mir anlegen will...’
Keine Sekunde später war der Vampir schon bei Jeremy, drehte ihn und warf ihn mit sich aufs Bett.
Vârcolac hatte sich nicht ausgesucht diesen dummen Menschen mit sich zu nehmen. Am Liebsten wäre er alleine nach Sibirien gegangen, schließlich waren es Familienangelegenheiten.
„Ich bin genauso wenig begeistert, wie du. Das habe ich mir nicht ausgesucht. Währe dein Großvater nicht und hätte er mich nicht gebeten dich mitzunehmen, wäre ich schon längst in Sibirien. Wegen dir muss ich einen großen Umweg machen.“
In den letzten Tagen hatte er so viele Gefühlsausbrüche wie in den letzen 10 Jahren nicht mehr. Er verstand es selbst nicht.
Langsam wurde er äußerlich wieder ruhig und erhob sich vom Bett.
„Belassen wir es dabei: Du kommst mit mir nach Sibirien, holst das Schwert aus dem Schloß und fliegst wieder zu deinem Großvater, das Schwert abliefern.“ Lange blickte er Jeremy an. Die ganze Zeit hatte er kein Wort gesagt, lag immer noch auf dem Bett und schaute Vârcolac verständnislos an. Nach einiger Zeit fing er sich wieder, stand jedoch nicht auf.
„Du meinst das Ernst?!“, stellte Jeremy fest.
„Und auch nicht zu überreden!“
Der Fremde hatte von Anfang an eine Entscheidung getroffen. Ihm blieb wohl nichts anderes übrig, als mit einem, ihm völlig Fremden nach Sibirien zu reisen um irgendein dämliches verrostetes Schwert für seinen Opa zu holen.
Jeremy seufzte und stand nun endlich auf, die Reisetasche aufhebend.
„Wann reisen wir ab?“
Erleichtert stellte Vârcolac fest, dass der Kleine sich anscheinend doch gefügt hatte.
‚Er scheint doch etwas von Darson geerbt.’, überlegte er schelmisch. Möglicherweise würde es doch interessant werden...
Zufrieden wand sich Vârcolac zum Gehen und meinte noch schalkhaft: „Sobald du fertig gepackt hast, komm auf das Dach der Universität. Wir nehmen das schnellste Flugzeug, das du noch nie gesehen hast. Ich  freu mich auf dein Gesicht.“